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Feuer und Flamme für die Uckermark

Herzlich willkommen bei der Unternehmervereinigung Uckermark e.V.

Feuer und Flamme für die Uckermark

Gemeinsame Pressemitteilung der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlin, der Unternehmervereinigung Uckermark und des Unternehmerverbandes Brandenburg-Berlin e.V.

Mit großem Interesse verfolgen die Unternehmerverbände aus Ostdeutschland und Berlin die aktuelle Diskussion um ein Ölembargo. Fernsehen und Presse berichten bereits, dass ein Ölembargo gegen Russland so gut wie sicher ist. Die EU-Länder Spanien, Italien, Österreich, Tschechien, Slowakei, Bulgarien und Ungarn hätten durch ein Embargo Versorgungsprobleme und befürchten Preissteigerungen. Vor allem Ungarn, die Slowakei, Tschechien und Bulgarien haben Probleme bei einem Stopp russischer Ölimporte. Diese Länder sind stark abhängig von russischem Öl und fürchten eine ausgeprägte Stagnation und sozialen Verwerfungen.

Auch wir in Ostdeutschland haben diese Sorgen!

Ein Ölembargo gegen Russland hätte schwerwiegende wirtschaftliche Folgen für den Großraum Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und insbesondere die Uckermark sowie Westpolen mit der Stadt Stettin. Die Versorgungssicherheit mit Produkten aus dem PCK wäre nicht mehr gewährleistet. Ein starker Stellenabbau in Industrie, Land- und Forstwirtschaft, Handel und Gewerbe wird die Folge sein. Eine allgemeine Versorgungsknappheit, verbunden mit momentan unüberschaubaren Preiserhöhungen, wären vorprogrammiert. Die damit einhergehenden sozialen Verwerfungen wären in der strukturschwachen Uckermark besonders ausgeprägt.

Die Aussage des Bundeswirtschaftsministers: „Wir haben die Abhängigkeit von russischem Öl von 35 % auf 12 % reduziert ", müssen wir leider revidieren. Diese medienwirksame Aussage „12%“ bagatellisiert die großen Probleme und ist damit falsch.

Bei einer Erdölverarbeitung in der Bundesrepublik von ca. 94,5 Mio. t/a, werden etwa 20 Mio. t/a in den ostdeutschen Raffinerien in Schwedt und Leuna verarbeitet.

Die Raffinerien in Westdeutschland mit Standorten in Karlsruhe, Neustadt, Ingolstadt, Burghausen, Köln, Gelsenkirchen, Lingen, Heide und Hamburg wären von einem Embargo praktisch nicht betroffen. Die geringen Gesellschafteranteile von Rosneft an den zwei südwestdeutschen Raffinerien ermöglichen es den Eigentümern leicht, russisches Erdöl in einer Menge von ca.10 Mio. t/a, die von Triest aus über die Adria-Pipeline geliefert werden, perspektivisch durch teuer auf dem Weltmarkt gekauftes Öl zu ersetzen.

Völlig anders stellt sich die Situation der beiden ostdeutschen Erdölraffinerien, die Totalraffinerie in Leuna-Spergau und der PCK Raffinerie GmbH in Schwedt dar. Beide Raffinerien mit einer Verarbeitungskapazität von jeweils ca.12 Mio. t/a werden mit russischem Erdöl der Sorte Romaschkino und mittlerweile auch anderen Qualitäten aus Westsibirien und dem Uralgebiet über die Erdölpipeline Druschba 1 (DN 500) und 2 (DN 700) beliefert, wie auch die polnische Raffinerie Plock. Angeschlossen an dieses Pipelinesystem sind über einen Abzweig nahe der Stadt Mosyr, die Raffinerien in Bratislava (Slowakei) und die ungarische Raffinerie in Szazhalombatta. Die Raffinerie in Gdansk wird über den dortigen Ölhafen per Öltanker mit Erdöl nichtrussischer Herkunft beliefert.

Die französische Totalraffinerie in Leuna-Spergau hat erklärt, die Lieferverträge mit Rosneft Deutschland nicht zu verlängern und ab Januar 2023 Erdöl auf dem Weltmarkt zu kaufen. Perspektivisch wird Erdöl für die Totalraffinerie per Großtanker im Ölhafen Gdansk angeliefert, in die vorhandene Pipeline eingespeist und über den Standardweg Druschba 1 und 2 in das Tanklager MVL (Mineralölverbundleitung Schwedt) weitergeleitet und von dort weiter über die beiden Stränge der Pipeline Spergau 1 und 2 nach Leuna verpumpt. Dieses Vorgehen ist für die Totalraffinerie relativ leicht zu handhaben, da sie nach unseren Informationen Gesellschaftsanteile am Ölhafen in Gdansk besitzt. Außerdem soll eine zweite DN 800-Leitung zwischen Gdansk und der Raffinerie Plock parallel zur bestehenden Pipeline gebaut und 2025 fertiggestellt werden. Die Kosten für die mit hohem Aufwand verbundene Umstellung der Raffinerie in Leuna auf andere Erdölqualitäten sowie der teure Tankertransport einschließlich der höheren Weltmarktpreise für Erdöl werden auf die Produkte umgelegt und landet somit beim Endverbraucher.

Bei einem Eigenbedarf der polnischen Raffinerie in Plock von ca.15,5 - 16 Mio. t/a und 12 Mio. t/a für Leuna verbleibt bei einer Leitungskapazität von theoretisch ca.30 Mio. t/a für die PCK Raffinerie ein Rest von ca. 2 - 2,5 Mio. t/a übrig. Für Instandhaltung, das regelmäßigen Molchen der Leitungen und Transportverzögerungen durch Sturm, Wellengang usw. auf der Ostsee reduziert sich die praktisch verfügbare Kapazität geschätzt auf etwa 1,0 - 1,5 Mio. t/a. Die Zustimmung dieser Lieferung durch Polen ist noch offen.

Nachfolgende Darstellung für einer möglichen Versorgung der PCK über die Pipeline Schwedt-Rostock.

Im Ölhafen Rostock können wegen des beschränkten Tiefgangs Tanker bis maximal 80.000 t entladen werden. Tankraum ist im Ölhafen Rostock ausreichend verfügbar. Bei einem Leitungsquerschnitt DN 400 ist theoretisch eine Kapazität von ca.6,8 Mio. t/a, praktisch geschätzt 6 Mio. t/a verfügbar. Zusammen mit der möglichen Ölmenge über Gdansk kommt man auf ca. 7,0 - 7,5 Mio. t/a für die PCK Raffinerie GmbH Schwedt. Das entspricht einer Auslastung von ca. 60 - 65 % und ist somit unwirtschaftlich. Die Beschaffbarkeit von Erdöl ist außerdem offen (Russland ist OPEC+ Mitglied).

Nach Aussage des Bundeswirtschaftsministers soll der Rest per Kesselwagen und über Straßentanker nach Schwedt in die Raffinerie transportiert werden. Wie soll das technisch in der Praxis funktionieren? Gegenwärtig fehlt für einen Straßentransport eine belastbare Autobahnanbindung. In der PCK ist keine Entlademöglichkeit für Straßentanker und Mengen dieser Größenordnung vorhanden.

Ein Transport mittels Kesselwagen über den Schienenweg ist wahrscheinlich nicht realisierbar. Die beiden werkseigenen Gleise vom Betriebsbahnhof Stendell zur PCK Raffinerie sind belegt für den Transport leerer Kesselwagen sowie für Hilfsstoffe zur Raffinerie und voller Kesselwagen sowie leerer Kesselwagen aus der Raffinerie. Eine Entladestelle für Erdöl dieser Mengen ist nicht vorhanden.

Bei einer Auslastung von ca. 60 - 65 % ist ein Betrieb der Raffinerie für die Eigentümer Rosneft Deutschland mit einem Anteil von 54, 17 % und Shell mit 37,5 % unwirtschaftlich. Freiwillig wird der Mehrheitseigner Rosneft Deutschland kein fremdes und auf dem Weltmarkt teures Erdöl kaufen, zusätzlich die teuren Tankertransport bezahlen und schließlich die Umstellung der Raffinerie auf andere Produktqualitäten tragen.

Ähnliche Erdölqualitäten wie benötigt könnte Venezuela liefern. Die sind jedoch von einem USA-Lieferembargo belegt.

Die Idee des Bundeswirtschaftsministeriums, die Rosneft-Anteile an der PCK Raffinerie GmbH zu enteignen, halten wir für hochriskant. In diesem Fall wäre eine sofortige Aussetzung der Lieferung durch Vertragsbruch wahrscheinlich. Diese Reaktion Russlands wird auch bei einer Entscheidung Deutschlands und damit der EU in Brüssel Ende Mai erwartet. Was passiert, wenn Rosneft die Raffinerie herunterfährt?

Ein Embargo von russischem Öl seitens der EU hätte folgende Auswirkungen.

Nach dem Aufzehren von Reserven können bei einer unterstellten Erdölverarbeitung von 11,5 Mio. t/a von der PCK in
Schwedt folgende Produkte und Mengen nicht mehr bereitgestellt werden:

Benzin: ca. 3 Mio. t/a
Diesel: ca. 3,8 Mio. t/a
Heizöl, leicht: ca. 1,1 Mio. t/a
Kerosin: ca. 0,43 Mio. t/a
Propylen, Prop., But.: ca. 0,44 Mio. t/a
Benzol, Toluol, Xylol: ca. 0,2 Mio. t/a
Strom: ca. 410 GWh
Fernwärme: ca. 500 TJ
Bioethanol: ca. 0,28 Mio. t/a
RME (für Dieselkraftstoff): ca. 0,245 Mio. t/a
Glycerin: ca. 25 000 t/a

Wie will die Bundesregierung die Versorgung im Osten Deutschlands sicherstellen? Wie sollen die notwendigen Mengen an Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Produkten aus anderen Raffinerien per Straße und Schiene herangeschafft werden?

Ein Boykott von russischem Öl schadet uns mehr als Russland. Die auf Selbstzerstörung der Wirtschaft in Ostdeutschland hinauslaufende Ölembargopolitik muss gestoppt werden und der Wirtschaftsstandort Schwedt muss erhalten bleiben! Deutschland darf beim Treffen der Regierungschefs der Länder Ende Mai in Brüssel einem Ölembargo gegen Russland nicht zustimmen und muss eine Kompromisslösung mit der EU-Kommission aushandeln. Wir das Embargo beschlossen, müssen sofortige Wirtschaftshilfen aktiviert und der Strukturwandel begleitet werden.

 

Mit freundlichen Grüßen


Dr.-Ing. Ulrich Menter 
Präsident 
Unternehmervereinigung Uckermark e.V.

 

Dr. Burkhardt Greiff
Präsident
Unternehmerverbandes Brandenburg-Berlin e.V.

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